Prozessbegleitung wirkungsvoller Ressourceneinsatz

Mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit im Sozialraum ist Kernanliegen dieses modellhaften Vorhabens der Stadt Köln. Multiprofessionelle Teams in und um besonders geforderte Grundschulen arbeiten an der passenden Ausgestaltung und partnerschaftlichen Verschränkung kommunaler Ressourcen und entwickeln Vorschläge für einen sozialindizierten Einsatz.

Kerstin Huven, Referenzprojekt sozialindizierter Ressourceneinsatz Prozessbegleitung
Zeitraum: 2021 bis 2024
Auftraggeber:
Regionales Bildungsbüro der Stadt Köln
Kooperation: Christian Kemper, inbetweener
Prozessbegleitung

Wirksamer Ressourceneinsatz für mehr Bildungsgerechtigkeit

Schulen mit mehrheitlich sozial-ökonomisch benachteiligten Kindern und Familien stehen vor besonderen Herausforderungen: Hier verdichten sich Notstände, Belastungen und ungünstige Lernvoraussetzungen. Zugleich sind diese Schulen zentrale, oft einzige Orte, an denen Kinder verlässlich lernen und gefördert werden können.

An zwei Kölner Grundschulstandorten wurden vorhandene Ressourcen in Bildung, Beratung und Betreuung daraufhin beleuchtet, wie sie besser auf die Bedarfe der Kinder und Familien abgestimmt und wirkungsvoll verknüpft werden können.

Verantwortungsgemeinschaften stärken

Ziel war, tragfähige Unterstützungspartnerschaften aufzubauen und die multiprofessionelle Zusammenarbeit im Sozialraum zu stärken – damit vorhandene Ressourcen gezielter und wirksamer zum Bildungserfolg beitragen.

Solche Kooperationen sind anspruchsvoll: Sie erfordern klare Rollen, gemeinsame Ziele, Wissen über Kompetenzen und Handlungsspielräume, Verlässlichkeit, geeignete Formate – und Zeit. Erst auf dieser Basis können gemeinsame Haltungen, Praktiken und Strukturen entstehen, die die Entwicklung des einzelnen Kindes optimal unterstützen.

Spezifische Lösungen statt Blaupausen

Überprüft werden sollten insbesondere kommunale Ressourcen, die an den Bildungsorten zur Verfügung stehen verbunden mit der Frage nach der Passung und sinnvollen Verschränkung. Akteur:innen in und um Schule haben aus ihrer Praxis heraus konkrete Vorschläge entwickelt und an die Steuerungsebene rückgespiegelt.

Wir haben mit den Beteiligten gezielt an lokalen Ansatzpunkten gearbeitet, die für die Standorte hilfreich sind – und auch Impulse für andere geben können. Ein solches Vorgehen braucht Freiräume – und eine passende Begleitung. Deutlich wurde auch: Angebote und Strategien müssen maßgeschneidert, kontextsensibel und flexibel sein – als gestaltbarer Rahmen, der vor Ort durch die Beteiligten mit Leben gefüllt werden kann.

Brücke zwischen Steuerung und Praxis

Ressourcen sozialindiziert einzusetzen bedeutet, besonders geforderte Schulen gezielt zu unterstützen. Zugleich erfasst ein Index nur bedingt die konkreten und sich verändernden Gegebenheiten vor Ort. Wir haben Daten, Fakten und sich wiederholende Erfahrungen zusammengetragen – als Grundlage und Orientierung für die Entwicklung und Anpassung von Maßnahmen und Angeboten.

Deutlich wurden dabei die verschiedenen Logiken und Vorgehensweisen der jeweiligen Ebenen und Bereiche. Hier war die wechselseitige Verständigung ein wesentlicher Schlüssel: Dialog über Hierarchiegrenzen hinweg, Einsicht in Anforderungen und Spielräume – und nicht zuletzt die „Übersetzung“ zwischen den unterschiedlichen Welten.

Liebe zu Menschen und Prozess

Bei allen Herausforderungen und Hindernissen – beeindruckt hat uns die hohe Motivation, diese besondere Leidenschaft und Liebe der Akteur:innen zu den Menschen, für die sie sich einsetzen. Und auch ihre Offenheit und der Mut, in einen gemeinsamen Entwicklungsprozess zu gehen, dessen Verlauf nicht vorhersehbar war.

Die Schulen haben den hohen Wert einer ressourcenorientierten und passgenauen Begleitung gespiegelt: durch Würdigung von außen für die eigene Arbeit, durch Zuversicht und Zutrauen, ein feines Gespür für verborgene Potenziale, gutes Handwerkszeug. Und auch durch das entlastende Gefühl, solche Vorhaben nicht allein zu durchlaufen.

Leistungen
  • Prozessbegleitung für zwei Bildungsstandorte:
Bestandsaufnahme, Identifikation zentraler Bedarfe, Akteurs- und Ressourcenmapping, Herausarbeiten möglicher Ansatzpunkte, Unterstützung bei der Entwicklung und Anpassung von Maßnahmen, Angeboten und Strukturen, Aufbau und Stärkung von Kooperationen, Reflexion etc.
  • Moderation & Facilitation:
    Projektgruppenmeetings, Werkstätten, Off-Sites, Großgruppenveranstaltungen, Vernetzungstreffen, Reflexions- und Auswertungs-Workshops – über partizipative und dialogorientierte Verfahren, professions- und bereichsübergreifend
  • Ergebnissicherung & Kommunikation:
    Kommunikation der aufbereiteten Ergebnisse und Kernerkenntnisse aus dem Prozessverlauf in die kommunale Steuergruppe und den regionalen Lenkungskreis, fortwährende Abstimmung mit dem Bildungsbüro

Ergebnisse

All die Beteiligten haben sehr spezifische Lösungen und Ansätze für mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit in besonders herausgeforderten Sozialräumen entwickelt. Entstanden ist eine umfangreiche Sammlung von Gelingensbedingungen, Ansätzen und Formaten, von Anregungen und Impulsen für das Überdenken, Anpassen und Steuern von Bildungsressourcen.

Zugleich hat der Prozess bestätigt, dass es mit der Anpassung oder Neuverknüpfung bestehender Mittel nicht getan ist. Ideen wie Andockerin, selbstverwaltetes Budget, Zusatzangebote non-formaler Bildung können Bildungsungerechtigkeit bestenfalls und nur begrenzt kompensieren, die Gesamtproblematik lösen sie nicht.

Gleichwohl haben die Modellstandorte sehr profitiert von der individuellen Begleitung – Menschen, Teams und Kooperationspartner:innen fühlen sich bestärkt und handlungsfähiger, was wiederum den Kindern und Familien zu Gute kommt. Sie sind wichtige und wesentliche Schritte gegangen, um Bildungsprozesse nach innen und außen neu zu formen und mutig und anders zu gestalten.

Kundenstimme zum projekt
Ursula Brockmann
Leitung Regionales Bildungsbüro Köln

„Über zweieinhalb Jahre haben wir gemeinsam das Projekt „Sozialindizierter Ressourceneinsatz an herausgeforderten Grundschulstandorten – SIREI“ umgesetzt. Dieses Vorhaben war durch verzwickte Kooperationen, widersprüchliche Erwartungen, enge Zeitfenster und wechselnde Zuständigkeiten geprägt. Dass wir dennoch zu nachhaltigen Ergebnissen gekommen sind und im Gefüge der multiprofessionellen Förderstrukturen Luft für Verständnis und Kreativität aufkommen konnte, liegt ganz wesentlich an der Prozessbegleitung durch Kerstin Huven und Dr. Christian Kemper: Ausdauernd, engagiert, fachlich äußerst versiert und frohgemut ist es den beiden gelungen, zwischen sehr verschiedenen Perspektiven den Raum für konstruktive Zusammenarbeit zu öffnen und gemeinsame Lösungen zu ermöglichen.“

Projektpartner:innen

Kommunale Steuergruppe

  • Amt für Kinder, Jugend und Familie
  • Gesundheitsamt
  • Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung
  • Regionales Bildungsbüro
  • Schulamt | Schulaufsicht
  • Schulleitung
  • Schulpsychologischer Dienst
  • Technische Hochschule Köln

Kernteams vor Ort

  • Inklusionspädagogik
  • Lehrende
  • Lehrerrat
  • Offener Ganztag
  • Schulbegleitung
  • Schulleitungen
  • Schulsozialarbeit
  • Sonderpädagogik
  • Sprachtherapie

Externe Partner:innen

  • Freie Träger & Bildungsanbieter
  • Kommunale Dienste
  • Non-formale Bildung
  • Offene Jugendarbeit
  • Selbsthilfe & Vereine
  • Sozialraumkoordination
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